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Eine Pflanze, tausend Möglichkeiten, rund um Cannabis.

Hanf begleitet die Menschheit seit über zehntausend Jahren: als Faser, als Nahrung, als Baustoff, als Heilpflanze, als Kulturgut. Hier findest du neutrale, sorgfältig recherchierte Informationen über die vielfältige Welt der Pflanze Cannabis sativa, mit einem besonderen Blick auf die Schweiz.

~10 000Jahre Nutzungsgeschichte
> 500pflanzliche Inhaltsstoffe
1,0 %THC-Grenze (CH Nutzhanf)
7Schweizer Pilotstädte
Botanik & Ursprung

Eine Pflanze, die uns seit Jahrtausenden begleitet

Cannabis ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. Sie wächst als einjähriges Kraut, ist zweihäusig (männlich oder weiblich) und hat sich an erstaunlich unterschiedliche Klimazonen angepasst, vom Himalaya bis ins Schweizer Mittelland.

Botanische Familie

Die Gattung Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), verwandt mit Hopfen, Brennnessel und Maulbeerbaum. Gärtnerisch anspruchslos, wächst sie rasch und benötigt wenig Pflanzenschutz.

Cannabaceaeeinjährigzweihäusig

Klima & Anbau

Hanf gedeiht auf nährstoffreichen Böden, mag Sonne und moderate Wasserversorgung. In der Schweiz wird Nutzhanf traditionell im Freiland kultiviert, meist als Zwischenkultur, da die Pflanze den Boden lockert und Unkraut verdrängt.

Sonnelockerer Bodenbodenfreundlich

Arten & Unterarten

Traditionell unterscheidet die Botanik zwischen Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis. Neuere genetische Studien legen nahe, dass es sich eher um Varianten ein und derselben Art handelt, mit grosser biologischer Bandbreite.

sativaindicaruderalis
«Hanf ist vielleicht die am besten dokumentierte Kulturpflanze der Menschheitsgeschichte, und trotzdem kennen wir sie kaum.»

Was steckt in der Pflanze?

Die Hanfpflanze ist ein biochemisches Wunderwerk. Bis heute wurden mehr als 500 Inhaltsstoffe identifiziert, darunter über hundert sogenannte Cannabinoide, eine grosse Gruppe von Terpenen (die für Duft und Aroma verantwortlich sind) sowie Flavonoide und Fettsäuren.

Die bekanntesten Cannabinoide sind CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol). Während CBD nicht berauschend wirkt, ist THC der Stoff, der Hanf rechtlich weltweit in den Fokus gerückt hat. Nutzhanf-Sorten enthalten nach Schweizer Recht höchstens 1,0 % THC.

Darüber hinaus liefert die Pflanze wertvolle Rohstoffe: Fasern aus dem Stängel, Öl und Eiweiss aus den Samen, Blüten für Aroma- und Pflegeprodukte sowie Schäben (Holzkern) für Dämmung und Bau.

Nutzung & Möglichkeiten

Hanf kann erstaunlich viel

Die Hanfpflanze ist ein Multitalent: Ihre Fasern werden zu Textilien, ihre Samen zu Lebensmitteln, ihr Stängelkern zu Dämm- und Baustoffen, ihre Blüten zu Aroma- und Kosmetikprodukten. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Bereiche.

Textilien

Hanffasern sind reissfest, atmungsaktiv und antibakteriell. Von Leinen bis Segeltuch, Hanf ist die ältere Schwester der Baumwolle und kommt mit einem Bruchteil des Wassers aus.

Nahrungsmittel

Hanfsamen sind ein kleines Superfood: reich an pflanzlichem Eiweiss, Omega‑3 und Omega‑6 Fettsäuren, Magnesium und Vitamin E. Beliebt als Hanfnüsschen, Hanfmehl oder kaltgepresstes Speiseöl.

Bau & Dämmung

Aus Hanfschäben und Kalk entsteht Hanfkalk, ein atmungsaktiver, CO₂-negativer Baustoff. In der Schweiz gibt es erste Pilotprojekte für Wohnhäuser und Sanierungen.

Kosmetik

Hanföl pflegt die Haut, Hanfblütenextrakte duften würzig-frisch. In Seifen, Lotionen und Balsamen findet die Pflanze seit Jahrzehnten ihren Platz, sanft und meist hautverträglich.

Papier

Bereits die Gutenberg-Bibel war teilweise auf Hanfpapier gedruckt. Hanfpapier ist besonders langlebig und benötigt für die Herstellung weniger Holz und weniger Chemie als Zellstoff aus Nadelholz.

Bioplastik

Hanffasern dienen als Verstärkung in Kunststoffen, zum Beispiel in Autoteilen. Forschende arbeiten an vollständig biologisch abbaubaren Verpackungen auf Hanfbasis.

Phytoremediation

Hanf kann Schwermetalle und Schadstoffe aus belasteten Böden aufnehmen, ein Beitrag zur ökologischen Bodensanierung. Studien laufen u. a. in ehemaligen Industriegebieten.

CBD-Produkte

Aus Hanfblüten gewonnenes Cannabidiol (CBD) findet sich in Ölen, Tees und Kosmetik. In der Schweiz sind CBD‑Produkte mit weniger als 1 % THC grundsätzlich zulässig (je nach Produktkategorie gelten weitere Vorgaben).

❦ ein Blatt, sieben Blättchen, unzählige Ideen ❦
Ein Streifzug durch die Zeit

Hanf und Mensch: eine sehr lange Geschichte

Kaum eine andere Kulturpflanze hat so viele Epochen begleitet wie Hanf, von Zentralasien über das antike Ägypten bis in die Seemacht-Zeiten Europas und schliesslich in die heutige Schweiz.

  • ca. 8000 v. Chr.

    Frühe Nutzung in Zentralasien

    Archäologische Funde in den heutigen Regionen Chinas und der Mongolei belegen die Nutzung von Hanffasern für Seile und Stoffe, es ist eine der ältesten bekannten Textilpflanzen.

  • ca. 2700 v. Chr.

    Erwähnung in alten Heilkundetexten

    Chinesische Schriften listen Hanfsamen und -blüten als nützliche Pflanze. Parallel dazu finden sich Hinweise in ägyptischen und indischen Quellen.

  • Mittelalter

    Hanf als Schlüsselpflanze Europas

    Klöster, Bauern und Städte kultivieren Hanf für Kleidung, Seile, Segeltuch und Papier. Ohne Hanf wären weder die Seefahrt noch der frühe Buchdruck in diesem Umfang möglich gewesen.

  • 18./19. Jh.

    Schweizer Hanfkultur

    In vielen Deutschschweizer und Bündner Tälern war Hanfanbau bis weit ins 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil der Landwirtschaft, sichtbar noch heute in Flur- und Ortsnamen wie Hanfländer oder Hanfgarten.

  • 20. Jh.

    Verdrängung und Verbote

    Billige Baumwolle, synthetische Fasern und internationale Drogenabkommen führen weltweit zu einem starken Rückgang des Hanfanbaus. In der Schweiz wird Cannabis 1951 im Betäubungsmittelgesetz verankert.

  • 1990er

    Die Renaissance beginnt

    Nutzhanf kehrt in die Schweizer Felder zurück. Bund und Forschungsinstitute erkennen das Potenzial als Rohstoff- und Zwischenkultur, es entstehen neue Sorten mit geringem THC-Gehalt.

  • 2011

    Ordnungsbussen statt Strafverfahren

    Die Schweiz passt den Umgang mit geringfügigen Mengen an: Erwachsene, die mit bis zu 10 Gramm Cannabis erwischt werden, erhalten seit 2013 eine Ordnungsbusse von 100 CHF, statt eines Strafverfahrens.

  • 2016 +

    Der CBD-Boom

    CBD‑Blüten und Produkte mit weniger als 1 % THC sind in der Schweiz nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und werden rasch zu einem sichtbaren Markt, vom Tabakersatz bis zum Hanftee.

  • 2022

    Medizinisches Cannabis

    Seit dem 1. August 2022 können Ärztinnen und Ärzte medizinisches Cannabis in der Schweiz ohne Ausnahmebewilligung verschreiben, ein wichtiger Schritt für die Forschung und Patientenversorgung.

  • 2023, heute

    Pilotversuche in Schweizer Städten

    In Basel, Zürich, Bern, Lausanne, Genf und weiteren Städten laufen wissenschaftlich begleitete Pilotversuche zum regulierten Abgabemodell für erwachsene Konsumierende. Ziel ist es, Erfahrungen für eine mögliche künftige Regulierung zu sammeln.

Die Pflanze in der Schweiz

Hanf & Schweiz: eine Beziehung mit Tiefgang

Von den Bündner Bergtälern bis in die Mittelland-Ebenen: Hanf war und ist in der Schweiz präsent. Heute trifft traditionelles Wissen auf neue Forschung, auf einen aufstrebenden CBD-Markt und auf den gesellschaftlichen Wunsch nach einem sachlichen, evidenzbasierten Umgang mit der Pflanze.

Traditionelle Hanfregionen

In Gebieten wie dem Napfbergland, dem Emmental oder Graubünden war der Hanfanbau historisch fest verankert. Viele Flurnamen zeugen heute noch davon.

Moderne Nutzhanfsorten

Der Bund führt eine Liste zugelassener Hanfsorten. Nur Sorten mit einem THC-Gehalt von höchstens 1,0 % dürfen als Nutzhanf angebaut werden.

CBD-Markt

Seit 2016 hat sich in der Schweiz ein reger Markt für CBD-Produkte mit weniger als 1 % THC entwickelt, Aromaprodukte, Öle, Tees, Kosmetik. Je nach Produktkategorie gelten unterschiedliche Vorschriften.

Forschung & Lehre

Hochschulen wie die ZHAW, die Universität Bern oder die FiBL beschäftigen sich mit Hanfgenetik, Anbaumethoden, Inhaltsstoffen und medizinischen Fragestellungen.

Medizinisches Cannabis

Seit August 2022 ist die ärztliche Verschreibung von medizinischem Cannabis in der Schweiz regulär möglich, ein Paradigmenwechsel gegenüber der vorherigen Ausnahmebewilligungs-Praxis.

Regulierte Pilotversuche

In mehreren Städten laufen auf Basis des revidierten Betäubungsmittelgesetzes wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte, in denen erwachsene Teilnehmende kontrolliert Cannabis beziehen können.

Rechtlicher Überblick

Was ist in der Schweiz erlaubt, und was nicht?

Diese Übersicht fasst den Stand April 2026 zusammen und dient ausschliesslich der Information. Sie ersetzt keine Rechtsberatung. Für den Einzelfall sind jeweils die aktuellen Erlasse, kantonalen Bestimmungen und Fachstellen massgebend.

Entwirrt

Mythen & Fakten

Rund um die Hanfpflanze kursieren viele Halbwahrheiten, hier ein paar davon, sachlich eingeordnet.

«Hanf und Marihuana sind zwei verschiedene Pflanzen.»

Mythos. Es handelt sich um ein und dieselbe Gattung Cannabis. Der Begriff Nutzhanf beschreibt schlicht Sorten mit geringem THC-Gehalt, die vor allem für Fasern, Samen und Industrieprodukte gezüchtet werden.

«CBD macht süchtig.»

Mythos. Cannabidiol (CBD) wirkt nicht berauschend. Die Weltgesundheitsorganisation stuft es gemäss ihrem Expertenbericht als grundsätzlich gut verträglich und ohne relevantes Abhängigkeitspotenzial ein.

«Hanf verbraucht besonders viel Wasser.»

Mythos. Verglichen mit Baumwolle gilt Hanf als wassersparende Faserpflanze. Sein Wasserverbrauch ist im klassischen Feldanbau moderat, Intensivanbau in Gewächshäusern ist eine andere Geschichte.

«Hanf ist ein Wundermittel.»

Auch Mythos. Hanf ist eine spannende Pflanze mit vielen Möglichkeiten, aber kein Allheilmittel. Gesundheitliche Aussagen sind nur im Rahmen von regulierten Arzneimitteln und unter ärztlicher Begleitung verlässlich.

Kleine Pflanzenkunde

Wichtige Begriffe kurz erklärt

Cannabinoid
Sammelbegriff für eine Gruppe von Pflanzeninhaltsstoffen, die charakteristisch für Hanf sind, darunter THC, CBD, CBG, CBN.
THC
Tetrahydrocannabinol, psychoaktiver Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. In der Schweiz reguliert ab 1,0 % Gehalt.
CBD
Cannabidiol, nicht berauschendes Cannabinoid. In Produkten mit weniger als 1 % THC je nach Kategorie in der Schweiz zulässig.
Terpene
Aromatische Moleküle, die den typischen Duft der Hanfpflanze prägen, auch in Zitrusfrüchten, Nadelbäumen und Lavendel zu finden.
Phytocannabinoide
Cannabinoide pflanzlichen Ursprungs, zur Unterscheidung von körpereigenen (Endocannabinoiden) und synthetischen Varianten.
Nutzhanf
Hanfsorten mit einem THC-Gehalt von höchstens 1,0 % (Schweiz), die vor allem für Fasern, Samen und industrielle Rohstoffe angebaut werden.
Hanfschäben
Holziger Innenteil des Hanfstängels, Rohstoff für Dämmstoffe, Tiereinstreu und Baustoffe wie Hanfkalk.
Hanfkalk
Baustoff aus Hanfschäben und Kalkbinder, atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend, bindet während der Aushärtung CO₂.
Endocannabinoid-System
Körpereigenes Signalsystem mit Rezeptoren und Botenstoffen, an der Regulation vieler physiologischer Prozesse beteiligt.
Häufige Fragen

Was Menschen oft zu Hanf wissen wollen

Ist CBD in der Schweiz legal?

CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt von weniger als 1 % fallen in der Schweiz nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Je nach Produktkategorie (z. B. Tabakersatz, Kosmetik, Lebensmittel, Chemikalie) gelten weitere Vorschriften. Gesundheitsbezogene Aussagen sind stark reglementiert.

Darf ich in der Schweiz zu Hause Hanf anpflanzen?

Der Anbau von Nutzhanfsorten (< 1 % THC) ist grundsätzlich möglich, allerdings gelten im kommerziellen Kontext Registrierungs- und Sortenlisten-Vorgaben. Der Anbau von Pflanzen mit ≥ 1 % THC ist betäubungsmittelrechtlich untersagt, ausser im Rahmen einer offiziellen Bewilligung oder eines Pilotversuchs.

Worin unterscheiden sich sativa und indica?

Ursprünglich beschreiben diese Begriffe geographische Herkunftstypen. Genetische Untersuchungen zeigen heute jedoch ein fliessendes Spektrum. Die gängige Zuschreibung «sativa = anregend, indica = beruhigend» ist aus wissenschaftlicher Sicht vereinfacht und nicht immer zutreffend.

Was ist das Besondere an Hanfsamen als Lebensmittel?

Hanfsamen liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiss, essentielle Fettsäuren in einem günstigen Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnis sowie Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen und Zink, bei angenehm nussigem Geschmack.

Wie nachhaltig ist Hanf wirklich?

Nutzhanf gilt als vergleichsweise anspruchslose Pflanze: oft ohne Pestizide, mit geringem Wasserbedarf, bodenlockernd und CO₂-bindend. Ob ein konkretes Produkt wirklich nachhaltig ist, hängt aber von Anbauregion, Verarbeitung und Transport ab, Hanf allein ist kein Garant.

Wie sieht der politische Trend in der Schweiz aus?

Seit Jahren bewegt sich die Schweiz in Richtung einer evidenzbasierten, stärker differenzierten Betrachtung. Ordnungsbussen statt Strafverfahren, Zulassung medizinischen Cannabis', Pilotversuche , das politische Ziel vieler aktueller Projekte ist der Erkenntnisgewinn für eine mögliche künftige Regulierung.

Ich habe Fragen zum Konsum oder zur Prävention, wo finde ich Hilfe?

Fachliche Unterstützung bieten u. a. Sucht Schweiz, die kantonalen Suchtfachstellen, das Portal feel-ok.ch sowie Hausärztinnen und Hausärzte. Rund um die Uhr erreichbar: Dargebotene Hand, Tel. 143.